Rechnungen automatisch erfassen mit KI
Zuletzt aktualisiert am · Aidan Faes
Kurz gesagt
Software liest Eingangsrechnungen aus, erkennt Lieferant, Betrag, Steuersätze und Positionen und übergibt die Daten an Buchhaltung oder ERP. Drei Lösungen unserer Auswahl decken diesen Fall ab: Konfuzio, Parashift und DocuWare IDP. Öffentliche Listenpreise pro Beleg nennt keiner der drei; Konfuzio weist auf seiner Startseite Pilotprojekte ab 5.000 € aus (Stand 08/2026), die beiden anderen rechnen auf Anfrage ab.
Automatische Rechnungserfassung ist ein Teilgebiet der intelligenten Dokumentenverarbeitung, kurz IDP. Anders als klassische Texterkennung liest ein IDP-System nicht nur Zeichen, sondern erkennt, welche Zahl der Rechnungsbetrag und welche das Lieferdatum ist, auch wenn jede Lieferantin ein anderes Layout verwendet. Der heutige Ablauf in vielen Betrieben sieht so aus: Die Rechnung kommt per E-Mail oder Post, jemand druckt sie oder legt sie ab, tippt Rechnungsnummer, Betrag, Steuersatz und Kostenstelle in die Buchhaltung, hängt den Beleg an und leitet ihn zur Freigabe weiter. Bei 300 Rechnungen im Monat sind das 300 Vorgänge mit identischem Muster.
Was die Automatisierung realistisch leistet: Sie übernimmt das Lesen und Vorbelegen, schlägt Kontierung und Zuordnung vor und markiert Felder, bei denen sie unsicher ist. Was sie nicht übernimmt: die sachliche Prüfung. Ob die berechnete Leistung wirklich erbracht wurde, ob der Preis der Vereinbarung entspricht und ob der Beleg steuerlich verwendbar ist, entscheidet weiterhin ein Mensch. Rechnen Sie deshalb nicht mit einem unbeaufsichtigten Prozess, sondern mit einem Prozess, in dem Ihre Buchhaltung prüft statt abtippt.
Welche geprüften Lösungen decken diese Aufgabe ab?
3 Lösungen unserer Auswahl adressieren rechnungen automatisch erfassen. Die Tabelle zeigt die harten Kriterien, darunter stehen Einordnung und Preis-Einstieg je Lösung. Reihenfolge alphabetisch, keine Rangfolge.
Tabelle seitlich scrollbar, erste Spalte bleibt stehen.
| Lösung | Preis-Einstieg | Hosting | AVV | ISO 27001 | On-Premise | Passend für |
|---|---|---|---|---|---|---|
| KonfuzioAßlar, Deutschland | auf Anfrage; Pilotprojekte ab 5.000 € (Projektpreis laut Startseite) | On-Premise oder Cloud bei deutschen Anbietern (Hetzner, Telekom) sowie Azure, AWS, Google Cloud | nicht belegt | ja | ja | Sie viele verschiedene Dokumenttypen mit eigenen Modellen verarbeiten wollen |
| ParashiftSissach, Schweiz | auf Anfrage | Google Cloud, Regionen Zürich oder Frankfurt; Compliance-Zonen Deutschland/EU/Schweiz | nicht belegt | ja | Private Cloud | Sie in einer regulierten Branche (Versicherung, Bank, Klinik) Dokumente verarbeiten |
| DocuWare IDP (ehemals natif.ai)Germering, Deutschland | auf Anfrage | DocuWare Cloud auf Microsoft Azure; Region nicht genannt | nicht belegt | ja | ja | Sie ohnehin ein Dokumentenmanagement einführen oder DocuWare bereits nutzen |
Anbieterangaben laut Anbieter-Websites, Stand 08/2026. „nicht belegt“ heißt: auf der Anbieter-Website nicht gefunden. Reihenfolge alphabetisch, keine Rangfolge.
- Profil
KI-gestützte Dokumentenverarbeitung (OCR/Handschrift, Klassifizierung, Extraktion) als Baustein des DocuWare-Dokumentenmanagements.
Preis-Einstieg: auf Anfrage
Alphabetisch, keine Rangfolge. Anbieterangaben laut Anbieter-Websites, Stand 08/2026. Passende Auswahl anfordern
Wie läuft die automatische Rechnungserfassung technisch ab?
In fünf Schritten, vom Eingang bis zur Buchung. Zuerst sammelt das System Belege aus einem eigenen Postfach, aus einem Scanordner oder über eine Schnittstelle. Dann klassifiziert es das Dokument, unterscheidet also Rechnung von Lieferschein oder Mahnung. Im dritten Schritt liest es die Felder aus: Lieferant, Rechnungs- und Belegnummer, Datum, Netto, Steuer, Brutto, Positionen. Anschließend prüft es die Werte gegen Stammdaten und Rechenregeln, etwa ob die Summe der Positionen dem Nettobetrag entspricht. Zum Schluss übergibt es den Datensatz plus Bilddatei an das Zielsystem.
Entscheidend ist der vierte Schritt. Jede Lösung liefert Vertrauenswerte je Feld. Sie legen fest, ab welchem Wert automatisch weitergebucht wird und ab wann ein Mensch schaut. Wer diesen Schwellenwert zu niedrig setzt, verlagert Fehler in die Buchhaltung, statt Arbeit zu sparen.
Welche Voraussetzungen braucht der Betrieb?
Drei Dinge: einen definierten Eingangskanal, gepflegte Stammdaten und eine Person, die den Prozess verantwortet. Ein definierter Eingangskanal bedeutet, dass Rechnungen künftig an eine Adresse gehen und nicht auf fünf Postfächer verteilt sind. Gepflegte Stammdaten bedeuten, dass Lieferanten, Konten und Kostenstellen im ERP eindeutig sind, sonst kann kein System zuordnen. Und ohne verantwortliche Person bleibt jede Korrektur liegen.
- Ein Sammelpostfach für Eingangsrechnungen, das nur diesem Zweck dient
- Aktuelle Lieferanten- und Kontenstammdaten im Ziel- oder ERP-System
- Eine dokumentierte Freigaberegel: wer prüft ab welchem Betrag
- Eine Schnittstelle oder ein Exportformat, das Ihre Buchhaltung einlesen kann
- Rund 50 bis 100 Altbelege als Testmenge für den Pilotbetrieb
Was kostet die Einführung?
Bei diesem Anwendungsfall entstehen die Kosten überwiegend im Projekt, nicht in der Lizenz. Konfuzio nennt auf seiner Startseite Pilotprojekte ab 5.000 € als Projektpreis (Stand 08/2026); Parashift und DocuWare IDP veröffentlichen keine Preise und rechnen nach Anfrage ab. Für Ihre Kalkulation heißt das: Holen Sie mindestens zwei Angebote ein und lassen Sie sich die Abrechnungseinheit erklären, also ob nach Dokument, Seite, Feld oder Nutzerzahl abgerechnet wird.
Kalkulieren Sie vier Blöcke: Lizenz oder Verbrauch, Einführung mit Anbindung ans ERP, Schulung der Buchhaltung und laufender Betrieb inklusive Korrekturaufwand in den ersten Monaten. Der Betrieb wird häufig übersehen, ist aber der Block, der über die Wirtschaftlichkeit entscheidet.
Was ist datenschutzrechtlich zu klären?
Eingangsrechnungen enthalten fast immer personenbezogene Daten, etwa Namen von Ansprechpartnern, Bearbeiterkürzel oder Bankverbindungen. Sobald ein Anbieter diese Daten in Ihrem Auftrag verarbeitet, brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Klären Sie zusätzlich, welche Subprozessoren beteiligt sind und wo diese die Daten verarbeiten.
Bei den drei Lösungen sieht die belegte Lage so aus: Parashift nennt Google Cloud mit den Regionen Zürich und Frankfurt sowie Compliance-Zonen für Deutschland, die EU und die Schweiz. Konfuzio nennt On-Premise sowie Cloud bei deutschen Anbietern, daneben Azure, AWS und Google Cloud. DocuWare IDP nennt die DocuWare Cloud auf Microsoft Azure ohne Angabe der Region. Einen öffentlich verlinkten AV-Vertrag haben wir bei keinem der drei gefunden; fragen Sie ihn vor Vertragsschluss an. Steuerliche Aufbewahrungspflichten bleiben davon unberührt und gehören mit Ihrer Steuerberatung besprochen.
Woran scheitern Projekte zur Rechnungserfassung?
Am häufigsten daran, dass der Prozess vorher nicht sauber war. Wenn heute drei Personen unterschiedlich kontieren, kann keine Software eine richtige Vorbelegung lernen. Zweiter Klassiker: die Erwartung, dass nach zwei Wochen jede Rechnung erkannt wird. Systeme lernen aus Korrekturen, und die ersten Wochen sind Korrekturarbeit.
- Der Freigabeprozess bleibt unverändert, dadurch entsteht der Engpass nur an anderer Stelle
- Zu wenige Belegtypen im Test, danach überrascht jede Sonderform
- Niemand pflegt die Lieferantenstammdaten, deshalb bleibt die Zuordnung manuell
- Der Schwellenwert für automatische Buchung wird zu früh hochgesetzt
- Das Projekt startet ohne Vorher-Messung, deshalb lässt sich der Nutzen später nicht belegen
Wie messen Sie, ob sich der Einsatz lohnt?
Mit einer Vorher-Nachher-Messung an drei Kennzahlen, die Sie selbst erheben. Erstens die Bearbeitungszeit je Beleg vom Eingang bis zur Buchung, gemessen an einer Stichprobe von 30 Rechnungen vor dem Start und 30 nach acht Wochen. Zweitens die Fehlerquote, also Anteil der Belege mit Korrektur nach der Buchung. Drittens die Durchlaufzeit bis zur Freigabe, weil dort Skontofristen hängen.
Prozentwerte aus Anbieterwerbung sind kein Ersatz für diese Messung. Wir veröffentlichen bewusst keine pauschalen Einsparquoten, weil sie stark von Belegmix und Ausgangsprozess abhängen. Der Zeitersparnis-Rechner hilft Ihnen, Ihre eigene Ausgangslage in Euro zu übersetzen.
In welchen Branchen kommt dieser Fall besonders häufig vor?
Erfahrungsgemäß dort, wo die Aufgabe täglich anfällt und das Ergebnis leicht prüfbar ist. Für diese Branchen haben wir eigene Seiten mit Anwendungsfällen und passenden Lösungen:
- KI in der Produktion
- KI in Handel und E-Commerce
- KI in dem Handwerk
- Vollständiger Vergleich: Dokumente & Verwaltung
Was gehört vor die Auswahl?
Erst der Prozess, dann der Rechtsrahmen, dann die Software. Klären Sie, welche Daten in dieser Aufgabe anfallen, ob personenbezogene Daten darunter sind und wer die Ergebnisse prüft. Die Grundlagen dazu stehen auf KI und DSGVO; wie viel Zeit die Aufgabe heute kostet, rechnen Sie mit dem Zeitersparnis-Rechner gegen.
Verwandte Anwendungsfälle
- Aufträge ins ERP übernehmen: Bestellungen aus E-Mail, PDF und Excel auslesen und direkt ins ERP-System schreiben.
- Anrufe automatisch annehmen: Ein Sprachassistent nimmt Anrufe entgegen, bucht Termine und leitet weiter, auch außerhalb der Bürozeiten.
- Kundenanfragen im Chat beantworten: Wiederkehrende Fragen auf der Website automatisch beantworten und bei Bedarf an Mitarbeitende übergeben.
- E-Mails und Antworten vorformulieren: Antwortentwürfe, Zusammenfassungen und Textbausteine für den Posteingang erzeugen lassen.
- Firmenwissen durchsuchbar machen: Dokumente aus SharePoint, Confluence und Laufwerken so erschließen, dass Antworten mit Quelle kommen.
Häufige Fragen
Erkennt die Software auch Rechnungen von neuen Lieferanten?
Ja, moderne IDP-Systeme arbeiten formatoffen und erkennen Felder auch bei unbekannten Absendern. Die Trefferquote ist bei den ersten Belegen eines neuen Lieferanten jedoch niedriger. Nach einigen Korrekturen stabilisiert sie sich.
Brauche ich dafür ein Dokumentenmanagementsystem?
Nicht zwingend, aber es vereinfacht die Ablage. DocuWare IDP ist Teil eines Dokumentenmanagements, Konfuzio und Parashift lassen sich auch an bestehende Systeme anbinden. Konfuzio nennt unter anderem SAP und DATEV als Anbindung, Parashift SAP, Microsoft Dynamics und SharePoint.
Kann die Verarbeitung im eigenen Haus laufen?
Bei Konfuzio ist On-Premise ausdrücklich vorgesehen, ebenso bei DocuWare. Parashift nennt dedizierte Instanzen und Compliance-Zonen, also eine Private-Cloud-Variante. Für echtes On-Premise brauchen Sie eigene Server und IT-Kapazität, das erhöht die Einführungskosten.
Wie viele Rechnungen im Monat rechtfertigen das Projekt?
Eine allgemeingültige Schwelle gibt es nicht. Als Faustregel prüfen Betriebe den Fall ab einem dreistelligen Belegvolumen pro Monat oder wenn Skontofristen regelmäßig verstreichen. Bei kleineren Mengen lohnt sich oft zuerst ein aufgeräumter Eingangskanal.
Was passiert mit Belegen, die das System nicht sicher liest?
Sie landen in einer Prüfansicht, in der die unsicheren Felder markiert sind. Eine Person bestätigt oder korrigiert, das System lernt daraus. Planen Sie diese Prüfrolle fest ein, sonst staut sich die Ausnahmeliste.